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Hochhausfassade
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600 Jahre Universität Leipzig

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(kfl) Leipzig hatte Glück. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg weit weniger zerstört als andere deutsche Städte. Von der Universität blieben trotzdem 70 Institute und Einrichtungen nur noch als Ruinen übrig. Darunter auch das Augusteum am Augustusplatz. Die erhalten gebliebene Universitätskirche, eine spätgotische Klosterkirche, wurde am 30. Mai 1968 auf Geheiß des SED-Regimes gesprengt. Das haben viele Leipziger nie verwunden. Insbesondere nicht der Paulinerverein, der sich stark machte für einen Neubau der Kirche, obwohl für eine Universitätskirche eigentlich kein Bedarf bestand.

Ein erster Wettbewerb für die Neugestaltung des Universitätsgeländes brachte 2002 kein befriedigendes Ergebnis. Den zweiten Preis errangen damals die Münsteraner Architekten Behet und Bondzio. Diskussionen um die Wiedererrichtung der Paulinerkirche verhinderten die Realisierung. Erst eine neu ausgelobte zweite Runde brachte 2004 ein Ergebnis, das als Kompromiss überzeugen konnte.

Fassade zur Türkenstraße Erick van Egeraat Associated Architects aus Rotterdam gewannen die Ausschreibung für die Neugestaltung des Augusteums und der ehemaligen Paulinerkirche. Ob der Spagat zwischen Kirchenraum und Aula tatsächlich überzeugen kann, wird man erst 2010 sehen, denn so lange wird die Fertigstellung noch dauern. Die Insolvenz des Büros Egeraat hatte die Verzögerung bewirkt.
 
Spagat zwischen Aula und Kirchenschiff
36 000 Keramikstäbe bilden die markante Fassade


 

Inzwischen fertig gestellt sind der Neubau der Mensa am Park, die Umgestaltung des Hörsaalgebäudes und des Seminargebäudes an der Universitätsstraße sowie der neue Trakt für ein Institutsgebäude an der Grimmaischen Straße. Verantwortlich dafür zeichnen Behet Bondzio Lin aus Münster. Die Mensa setzt eine markante Landmark gegenüber der Moritzbastei. Zusammen mit dem Cityhochhaus von Hermann Henselmann, das ursprünglich als „Sektionshochhaus“ auch der Universität gehörte, wird das Unigelände nach Südosten beziehungsweise Südwesten gefasst. Der helle und hohe Speisesaal bietet eine angenehme Atmosphäre, wirkt großzügig und offen.

Zwei große Hörsäle aus dem ursprünglichen Ensemble wurden von den Architekten völlig entkernt. Nun dominiert Holz die zurückhaltend moderne Gestaltung. Auch im Treppenhaus konnten Grundelemente aus der DDR-Zeit erhalten und den neuen Erfordernissen angepasst werden.  

Mensa am Park - ein Landmark gegenüber der Moritzbastei
Ansicht zur Türkenstraße 

 

Beim Seminargebäude entschied man sich für eine größtmögliche Erhaltung der Substanz. Die weißen Fassadenelemente aus Betonfertigteilen wurden lediglich gereinigt. Das Treppenhaus konnte weitgehend im Originalzustand belassen werden. Der behutsame Umgang mit der DDR-Architektur aus dem Anfang der 1970-er Jahre spricht für die Planer. Die sich daraus ergebenden Kompromisse in der Detailplanung sind tolerierbar. Das Ergebnis ist eben ein gewachsener Organismus und kein radikaler Kahlschlag.
 
Sanierung des Seminargebäudes
Ein Fenster als Kunstwerk Völlig neu konnten die Architekten beim Institutsgebäude agieren. Es schließt überzeugend den Block zur Grimmaischen Straße, eine der Haupteinkaufs- und Flanierzonen Leipzigs. Im Erdgeschoss wurden Läden untergebracht, während sich in den Obergeschossen universitäre Nutzungen wie Seminarräume und Büros befinden.
Den Abschluss zum Augustusplatz wird zukünftig das Café Felsche bilden, eine Remineszenz an ein ursprünglich an dieser Stelle befindliches Café.
 
Blockrandbebauung zur Grimmaischen Straße
Das Lichtlenksystem Weitere Bilder der Uni Leipzig finden Sie auch in unserem Showroom.

Bilder aller Universitätsgebäude erhalten Sie gerne auf Anfrage bei mail@architektur-und-medien.de.

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