english version    
Hochhausfassade
Schlossgeschichte(n)

Schloss Affing -
eine Perle mitten im Wald

READING ROOM
 
 
 
(kfl) Als „Zentrum des Waldbaus im süddeutschen Raum“ wird Schloss Affing im Kreis Aichach-Friedberg gerne bezeichnet. Schlossherr Marian Freiherr von Gravenreuth setzt sich für eine nachhaltige Forstwirtschaft ein und schuf mit dem Affinger Weihnachtsmarkt bayernweit fast so etwas wie eine eigene Marke.

„Ich mag alle Ecken hier sehr gerne“ erzählt der Schlossherr freimütig, „aber im Sommer mag ich vor allem den kleinen Pavillon, weil es ruhig dort ist und ich lesen kann.“ Diese Ruhe und Beschaulichkeit ist es, die man auch als Besucher genießt: Das leise Plätschern des kleinen Wasserlaufs, die bunten Bäume, die sich darin spiegeln und die malerischen Brücken, die darüber führen. In einem alten Bootshaus liegt noch ein ausgedientes Ruderboot. Von dem einstigen Wassergraben, der das Schloss umgab, ist nur noch der Teich geblieben. Marian von Gravenreuth mag diese Stille und Abgeschiedenheit und genießt die prosperierende Natur des Gartens.

Die Bäume, der Wald, alles was mit dem Forst zu tun hat, ist seine Passion. Als leidenschaftlicher Verfechter einer nachhaltigen Forstwirtschaft setzt sich der gelernte Diplom-Kaufmann seit vielen Jahren dafür ein, den Wald zu schützen und zu nützen. Es ist für ihn gar keine Frage, dass der Wald die entscheidende Quelle für erneuerbare Energien ist. Die Bedeutung des Rohstoffes Holz habe sich in den vergangenen 30 Jahren entscheidend geändert, sagt er.

Die Freude an einer naturnahen Lebensgestaltung äußert sich auch jedes Jahr wieder im Affinger Weihnachtsmarkt. Seit 15 Jahren findet dieser urige und rustikale Markt am zweiten und dritten Adventswochenende im Schlosshof statt. Die Anregung zu einem dörflichen Weihnachtsmarkt mit einheimischen Produkten und Menschen aus der Region holte sich Baron von Gravenreuth in der Nähe von Salzburg. Die Besucherzahlen steigen von Jahr zu Jahr und der Affinger Weihnachtsmarkt wurde 2004 sogar zum schönsten Weihnachtsmarkt Bayerns gekürt. Baron von Gravenreuth ist überzeugt, damit eine interessante Alternative zu den kommerziellen Märkten anbieten zu können.
  
Äußerlich sieht das Affinger Schloss aus wie aus dem 17. Jahrhundert. Tatsächlich musste das Gebäude jedoch 1928 nach einem verheerenden Brand neu aufgebaut werden. Wie viele andere Schlösser, geht auch das frühere Wasserschloss Affing auf eine Burg zurück. 1408 wird sie erstmals erwähnt. In einer Beschreibung aus dem Jahr 1618 heißt es: „… ain ganz vom Grundt aufgemauertes vnnd mit Ziegel gedeckhtes Schönes Schloß, das vf ainem Purgstall ligt vnnd gerings herumb mit ainem schönen Viereggeten Weyher vmgeben ist…“ (Die Burgen in der Gemeinde Affing, S. 36). Eine vage Vorstellung von der damaligen Gestalt kann man sich anhand eines Holzschnittes von Philipp Apian aus dem Jahre 1568 machen. Diese, durch Wolfgang von Waldeck errichtete zweigeschossige Burg, hatte ein Satteldach mit einem Treppengiebel und war von einem Wassergraben umgeben. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg errichtete Johann Baptist Freiherr von Leyden 1682 ein Schloss an gleicher Stelle, das auf dem Stich von Michael Wening abgebildet ist. Zum Schloss gehörten nicht nur eine Kapelle, sondern auch umfangreiche Nebengebäude, die die Anlage hufeisenförmig nach Süden begrenzten.
 
Schloss Affing mit Teich
Bis ins erste Viertel des 20. Jahrhunderts hat sich baulich wenig verändert. Am 16. Oktober 1927 geschah dann die große Katastrophe, als das Schloss am Kirchweihsonntag vollständig ausbrannte. Ursache war vermutlich ein falsch konstruierter Kamin. Sechs Feuerwehrleute kamen bei dem Brand ums Leben. Es wird berichtet, dass nur an die Rettung wertvoller Möbel gedacht werden konnte, da der Wasserdruck mit der damaligen Handspritze nicht bis ins Dachgeschoss reichte.  Unwiederbringliche Zeugnisse der Geschichte, wie zum Beispiel das bis dahin unverändert erhalten gebliebene Besuchszimmer Kaiser Napoleons III., gingen dabei verloren. „Mein Großvater Casimir von Gravenreuth hat sich dann entschlossen, das Schloss wieder so aufzubauen, wie es 1694 ausgesehen hat“ weiß Baron von Gravenreuth zu berichten. „Das war eine sehr kluge Entscheidung“.
 

 
Kaiser Napoleon war ein häufiger Gast im Schloss Das Hochschloss liegt auf einem künstlichen Hügel. Eine kleine Brücke überspannt den inzwischen trocken gelegten Wassergraben. Das gusseiserne Geländer der Brücke wurde der Überlieferung zufolge von Königin Hortense von Holland, der Stieftochter Napoleons, gestiftet. Sie war mit dem späteren Kaiser oft zu Besuch in Affing. Fünfzehn Stufen muss der Besucher empor steigen, bevor er vor dem mächtigen Eingangsportal steht. Die reich ornamentierte Holztür hat den Brand überlebt und stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Links oben befindet sich das Familienwappen der Freiherren von Gravenreuth (das gleichermaßen das Wappen von Affing ist), nämlich das Einhorn und rechts daneben der bayerische Löwe.

Wenn man genau hinschaut, erkennt man, dass sich die Außenmauern des Schlosses leicht nach oben verjüngen, wodurch es filigraner erscheint. Der annähernd quadratische Grundriss des dreigeschossigen Baukörpers wird durch ein Zeltdach nach oben abgeschlossen. Der ursprüngliche Kamin in der Mitte wurde nach dem Brand als kleiner Aussichtsturm wieder aufgebaut.

Diese Einrichtung stammt aus einer Ausstellung im Schloss
Ein Landschaftsgarten wie im Bilderbuch Das Schloss liegt am südwestlichen Rand eines weitläufigen Landschaftsgartens mit Wasserlauf, Teich, idyllischen Brücken und Bootshaus. Besonders im Herbst bilden die farbigen Blätter der Bäume eine wunderbare Kulisse für ausgedehnte Spaziergänge. Im nördlichen Garten befindet sich die Orangerie (um 1830), in der nach wie vor Pflanzen überwintert werden. Die alten böhmischen geätzten Gläser sind eine Seltenheit und in dieser Form heutzutage unerschwinglich. Von dem kleinen Pavillon mit Sitzgelegenheit (er stammt aus der Pariser Weltausstellung von 1900) schweift der Blick über eine ausgedehnte Rasenfläche.

Etwas versteckt unter den Baumkronen ist die Mariengrotte, die die Gräfin von Boullion, Urgroßmutter des Barons, im 19. Jahrhundert aus Verehrung vor der Pilgerstätte von Lourdes errichtete. Noch heute wird sie für Maiandachten genutzt.

Von den früheren Nutzungen der Wirtschaftsgebäude wie Schreinerei, Brauerei, Schmiede und Gärtnerei hat nur die Gärtnerei überlebt. Die übrigen Gebäude werden nach und nach saniert und neuen Nutzungen zugeführt.
Das Innere der Kapelle
© 2000 - 2016 Architektur und Medien
Alle Rechte vorbehalten. Diese Website, Fotos, Filmausschnitte und Abbildungen auf dieser Website sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne schriftliche Genehmigung nicht verwendet werden.