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Hochhausfassade
Schlossgeschichte(n)

Das Sisi-Schloss in Aichach-
Unterwittelsbach

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(kfl) Die Vorstellung von der „guten alten Zeit“ könnte nicht treffender inszeniert werden. Ein Weiher, zwei stolze Schwäne, ein Ruderer in einem kleinen Kahn. In der Mitte des Bildes ein Schloss. Rauch steigt aus dem Schornstein empor. In der Haustür sind eine Frau und ein kleines Mädchen auszumachen. Offensichtlich Mutter und Tochter, ziemlich sicher Herzogin Ludovika mit Töchterchen Elisabeth. Die Lithografie des königlichen Hofoffizianten Alois Flad zeigt das Wasserschloss Unterwittelsbach und wird auf etwa 1842 datiert. Sisi war damals vier Jahre alt. „Seiner Hoheit dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Maximilian Herzog in Bayern in tiefster Erfurcht gewidmet“ lautet die Inschrift.

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Lithographie von Alois Flad, um 1842
1838 erwirbt Herzog Max das Anwesen als Jagdschloss Herzog Max in Bayern erwarb Schloss Unterwittelsbach 1838 als Jagdschloss. Das erstmals im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnte Anwesen in „Witlinspach“, wie man damals schrieb, bildet zusammen mit der Burg in Oberwittelsbach den Nukleus eines der ältesten deutschen Adelsgeschlechter, der Wittelsbacher. Ob dies für den Grunderwerb von Herzog Max eine Rolle spielte, ist nicht überliefert. Tatsache ist, dass der vermögende Herzog zwei Jahre später auch die Schlösser Kühbach und Rapperzell erwarb, einschließlich beträchtlicher Ländereien in der Umgebung. Damit gehörten ihm große Flächen im Nordosten des heute als „Wittelsbacher Land“ bezeichneten Gebietes. Der Kaufpreis betrug 56 500 Gulden, was heute etwa 750 000 Euro entspricht. Ein „Schnäppchen“, wenn man bedenkt, dass dazu auch 800 ha Wald gehörten. Unterwittelsbach diente Herzog Max als Jagdschloss und war nur für geladene Gäste zugänglich. „Er hat es als seine ‚Burg‘ bezeichnet“, weiß Kastellanin Brigitte Neumaier, „es war etwas ganz Persönliches und Privates, sein Lieblingsaufenthalt“.
 
Max war ein rechter Rebell, erzählt die Expertin. „Er hat nicht immer das gemacht, was man sich im Hochadel so vorgestellt hat, hat derben bayrischen Dialekt gesprochen und war in Lederhosen unterwegs.“ Der auch „Zithermaxl“ genannte Herzog saß gerne in der nahen Schlosswirtschaft Unterwittelsbach und hat selbst komponierte Lieder gespielt. Sisi soll dazu auf dem Tisch getanzt haben. Jahre später, so erzählt man sich, habe Sisi einer Hofdame in Wien stolz einen kleinen Beutel mit Geld gezeigt. „Das ist das einzige Geld, das ich in meinem Leben verdient habe“.
 
Die Einrichtung im Schloss war einfach und zweckmäßig Sisi und ihre Geschwister waren öfter in Unterwittelsbach, da ist sich Brigitte Neumaier ziemlich sicher. Herzog Max beschäftigte nämlich einen Privatlehrer namens Konrad Maximilian Kunz. Er wurde als Komponist der Bayernhymne bekannt. „Kunz hat einige Jahre im Schloss gewohnt“, weiß Neumaier. „Wie lange er dort war, muss man noch nachforschen. Ich bin grade dabei, das herauszufinden. Aber es liegt natürlich nahe, dass er die Kinder unterrichtet hat“. Wie die Familie eingerichtet war, darüber ist wenig überliefert. Es werden wohl einfache Biedermeiermöbeln gewesen sein, denn das Schloss wurde nicht als Repräsentationssitz, sondern als Jagdschloss genutzt. Eine Inventarliste wird gerade ausgewertet und ist möglicherweise Bestandteil der nächsten Ausstellung.
 
Diese Einrichtung stammt aus einer Ausstellung im Schloss
Herzog Max liebte das Reisen Herzog Max war ein ruheloser Gesell und viel unterwegs. Von seinen Reisen in den Orient, nach Ägypten und Palästina brachte er zahlreiche Reiseandenken mit, von denen jedoch fast nichts mehr in Unterwittelsbach vorhanden ist. Die meisten Gegenstände befinden sich im Kloster Banz. Lediglich die kleine Kapelle erinnert an die Vorlieben des Herzogs, der sie nach seinen Vorstellungen umgestalten ließ. „Die Idee vom Altar stammt aus dem Orient und ist vielleicht weltweit einmalig“ erzählt Neumaier. 1841 wurde die Kapelle mit Jordanwasser geweiht.
 
Das Innere der Kapelle
Wenn Max und seine Familie nicht in Unterwittelsbach wohnten, kümmerte sich ein Schlossdiener um das Anwesen. Zu seinen Aufgaben gehörte es, jedes Zimmer zweimal wöchentlich zu lüften. Das jedenfalls geht aus einer Liste mit Tätigkeiten hervor, die überliefert ist.
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