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Eingang Ost
Bescheidenheit, Sachlichkeit und Reduktion

Gymnasium Buchloe

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(kfl) Wir leben in einer Welt der Reizüberflutung, in der vermeintlich nur derjenige wahrgenommen wird, der sich lauter, aggressiver, auffälliger und dominanter gibt als andere. Das gilt auch (und leider insbesondere) in den letzten Jahren für die Architektur. Allem Trend zum Trotz fallen in einer derartigen Entwicklung Gebäude auf, die sich diesem Hype widersetzen. Das neue Gymnasium in Buchloe (Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart) besticht durch Bescheidenheit, Sachlichkeit und Reduktion und ruht dadurch in sich selbst. Für eine Schule könnte es kaum eine angemessenere Formensprache geben. .

Von Weitem präsentiert sich das noch im Aufbau befindliche Gymnasium (zehn Klassen und knapp 280 Schüler) als langer, zweigeschossiger Riegel. Der zentrale Eingang mit seinem weiß verputzten, nach außen halbkreisförmig heraus gewölbten Treppenhaus gibt dem Ganzen Halt. Linker Hand befindet sich die Dreifachsporthalle, die nahezu nahtlos in den Kubus integriert wurde. Die Ost-/West-Orientierung der Klassenzimmer und Fachräume  sowie der Dachüberstand schützen vor zu heftiger Sonneneinstrahlung im Sommer. Durch die langen Fensterbänder werden sie jedoch üppig belichtet. Der nördliche U-förmige Kubus umschließt einen Innenhof, der in der warmen Jahreszeit auch als Erweiterung der Mensa und als begrünter Pausenhof dient. Die kongeniale Anordnung der Funktionsbereiche ist ein wesentlicher Pluspunkt dieses Gebäudes. Zentraler Anlaufpunkt, Treffpunkt und Verteiler ist die zweigeschossige Aula, die über Lichtkuppeln indirekt beleuchtet wird. Dadurch wirkt sie hell, freundlich und sehr einladend. Flankiert durch die Mensa auf der Nordseite und eine Bühne gegenüber kann die zentrale Halle bei Veranstaltungen vergrößert werden. In den Pausen spielt sich hier das schulische Miteinander ab.

Einen dezent regionalen Touch erhält die Fassade mit ihrer dunkel lasierten Stulpholzverschalung und den weißen Fenstern. Den Innenraum prägt klarer Sichtbeton und ein anthrazitfarbener Natursteinboden. Das Gebäude wurde nach dem Modell der Öffentlich Privaten Partnerschaft (ÖPP) im Passivhausstandard geplant. Der Betreiber hat die Schule für insgesamt 35 Millionen Euro errichtet und betreibt sie dafür 20 Jahre lang. Nach nur 16-monatiger Bauzeit ist dies ein Modell, das im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen dürfte.
(erschienen in db 1-2/2014)

© Fotos: Architektur und Medien, Klaus F. Linscheid

Eingang Ost

Eingang West

Fassadendetail

Sporthalle

Sporthalle mit Sportplatz

Südseite mit Sporthalle

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