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Das Salz der Erde

Regie: Wim Wenders
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(kfl) Seit 30. Oktober läuft er in den Kinos und hat bereits für erhebliche Furore gesorgt. Der neue Film von Wim Wenders „Das Salz der Erde“ erzählt nicht nur die Geschichte des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado. Er dokumentiert darüber hinaus mit den unglaublichen Bildern des Fotografen das Leid in der Welt, das Menschen ihren Mitmenschen durch Krieg, Vertreibung und Hungersnöte zufügen. Der Film führt den Zuschauer aber auch an Orte auf unserem Planeten, an denen noch kaum ein Mensch gewesen ist.

Dieser Widerspruch begründet sich im Leben von Sebastião Salgado selbst. Wim Wenders bewundert ihn seit über zwei Jahrzehnten und traf ihn vor etwa zehn Jahren persönlich. Aus der Achtung vor seinem fotografischen Schaffen entstand im Laufe der Zeit der Wunsch bei Wenders, diesem Leben in einem Dokumentarfilm Respekt zu zollen.

Wie aber macht man einen Film über einen Fotografen? Man zeigt ihn während seiner Arbeit, befragt ihn nach der Intention seiner Bildreportagen und zeigt natürlich seine Bilder. Das klingt auf den ersten Blick nach einer Diashow. Um genau das zu vermeiden, setzt Wenders einige filmische Kunstgriffe ein. Sein größtes Pfund ist der Protagonist selbst. Sebastião Salgado, inzwischen 70 Jahre jung, versteht es auf geniale Art, Geschichten zu erzählen. Die Geschichten hinter seinen Bildern tragen den Film von Beginn an. Wie dieser Geschichtenerzähler allerdings inszeniert wird, ist eine, eher aus der Not geborene Erfindung des Regisseurs. Bei den Dreharbeiten habe sich herausgestellt, so Wenders bei der Vorführung seines Films in den Kinos der Münchner Freiheit Mitte November, „dass Salgado immer dann besonders authentisch wirkte, wenn er alle Technik und Kameras um sich herum vergaß und einfach über seine Bilder sprach“. Also habe man ihm die Bilder über einen Teleprompter gezeigt, so dass er sie direkt betrachten und seine Erinnerungen dazu frei in die Kamera erzählen konnte. Es sind sehr detailgetreue Erinnerungen, Anekdoten und persönliche Erlebnisse. Daher stehen seine  Bilder lange auf der Leinwand und können eingehend betrachtet werden. Auch dieses Stilmittel zieht sich durch den gesamten Film: Immer wird das Originalbild im Original-Seitenverhältnis gezeigt. Kein Zoom, keine Kamerafahrt kein Detailausschnitt. Und wenn es sein muss auch im Hochformat.

Plakat "Das Salz der Erde", signiert von Wim Wenders
Das dritte, entscheidende Element des Films ist der Soundtrack. Die eigens dafür komponierte Musik verwendet Stilelemente der O-Töne, die beim Dreh vor Ort entstanden und unterstreicht die visuellen Bildeindrücke durch atmosphärisch starke Geräusche. Selbst beim Betrachten der Originalbilder hat man als Zuschauer den Eindruck, einen Film zu sehen.

Diese gewinnen durch ihre exzellente Schwarzweis-Ausbelichtung (Salgado fotografiert auch jetzt noch ausschließlich in Schwarzweiß) eine Intensität, die den Zuschauer gefangen nimmt. Oft ist es kaum zu ertragen, das Leid in den Bildern einerseits und die Ästhetik der Aufnahmen andererseits zu verarbeiten. Man spürt förmlich die Nähe, die der Fotograf zu seinen Protagonisten herstellt. Viele Jahre war er für seine Projekte jeweils unterwegs – und wäre am Ende beinahe daran zerbrochen. Seit fast einem Jahrzehnt widmet er sich nun quasi als Ausgleich den paradiesischen Orten der Welt und begann Tiere, Natur und Landschaften zu dokumentieren.

Für jeden Dokumentarfilm-Liebhaber und für alle Fotografie-Interessierten eine absolute Empfehlung.
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