english version    
Hochhausfassade
Reading Room

Fotografie für Architekten

READING ROOM
 
 
 
(kfl) Die fotografische Darstellung des eigenen Werkes, ob im Internet, in der Bürobroschüre oder in der Presse, ist unverzichtbar für die Öffentlichkeitsarbeit und Vermarktung eines Architekten. Architektur lebt vom Raum, der Beziehung zwischen Innen und Außen und dem Zusammenspiel der Gestaltungselemente. Um diese Dreidimensionalität in einem Foto zu vermitteln, bedarf es einiger Überlegungen und Kenntnisse, bevor der Auslöser betätigt wird.
Die Architekturfotografie kennt unterschiedliche Arten der Darstellung. Je nach beabsichtigtem Verwendungszweck (Dokumentation, Reportage, künstlerische Fotografie, Fachzeitschrift oder Tagespresse) liegt der Fokus eher auf einer sachlich dokumentarischen oder frei interpretierenden Darstellung. Obwohl Fotografie per se ebenso wenig objektiv ist wie die Darstellende oder Bildende Kunst, wird der Architekt das eigene Bauwerk natürlich aus seinem subjektiven Blickwinkel interpretieren.

Um es an dieser Stelle gleich vorweg zu nehmen: Einen Fotoapparat zu bedienen ist keine Kunst. Ein anspruchsvolles Bild damit zu gestalten erfordert jedoch schon etwas mehr als nur auf den Auslöser zu drücken. Wenn es um die Dokumentation der eigenen Bauwerke geht, ist es letztlich eine Frage des eigenen Anspruchs, ob man sich das selber zutraut, oder ob hierfür nicht lieber ein professionell arbeitender Architekturfotograf beauftragt werden sollte. Nehmen Sie die nachfolgenden Anregungen also eher als Tipps für die nächsten Architektur-Exkursionen.

Anspruch und Wirklichkeit in der Architekturfotografie

Phaeno, Wolfsburg
Zaha Hadid.
Konzentration auf ein Fensterdetail
Das Auge des Fotografen und seine Sichtweise bestimmen nicht nur Standpunkt, Blickwinkel und Perspektive. Die Entscheidung für einen Bildausschnitt wird geleitet vom bewussten Weglassen unwichtiger Details bzw. dem Fokussieren auf wesentliche Gestaltungselemente. Das Entscheidende bei der Architekturfotografie ist jedoch das Verständnis des Fotografen für die Gestaltungsabsicht des Architekten. So wie ein Portraitfotograf stets bemüht ist, die „Schokoladenseite“ des zu portraitierenden Menschen darzustellen, so sollte ein Architekturfotograf in der Lage sein, den Charakter eines Gebäudes herauszuarbeiten und damit den Geist des Ortes im Kopf des Betrachters wieder entstehen zu lassen. Die Aussage in der Fotografie hat sich dem Ausdruck der Architektur anzupassen.
 
Aufgabenstellung und Verwendungszweck
Detail des Olympiadaches, München
Detail des Daches im Olympiastadion, München
Die fotografische Dokumentation eines Gebäudes ist von hohem historischem Wert, unterstreicht sie doch unbestechlich den Zeitgeist zum Zeitpunkt einer Aufnahme. Erinnern wir uns an Fotografien von Villen Le Corbusiers aus den 20er Jahren, auf denen häufig Automobile zu sehen sind. Zur damaligen Zeit sollten sie den technisch-modernen Ansatz der Architektur unterstreichen, heute wirken die „Oldtimer“ kurios vor den noch immer zeitgemäßen Gebäuden.

Berühmte Fotografien von Julius Shulman in Amerika zeigen Villen von Neutra, Schindler oder Frank Lloyd Wright, in denen der Fotograf bewusst die Architektur mit der umgebenden Landschaft in Beziehung setzt sowie die Wechselwirkung zwischen Mensch und Architektur thematisiert. Ohne Menschen geht die Maßstäblichkeit im Bild oft verloren.

Der viel zitierte „genius loci“ ist wesentlicher Bestandteil eines Bauwerkes und sollte in einem Foto ablesbar sein. Andererseits kann ein Detail mehr über ein Gebäude aussagen als eine Totalperspektive. Erwachsen konstruktive Details stimmig aus dem Gesamtkonzept, dürfen sie in der Gebäudedokumentation nicht fehlen. Der Betrachter ergänzt den Rest dann problemlos in seiner Phantasie.

Architektur und
„genius loci“
Uptown Munich
Uptown Munich,
Ingenhoven Overdiek.
Bewusst eingesetzte Linienstruktur betonen die ungewöhnliche Perspektive des Gebäudes
Ein gewisses Equipment ist für die Architekturfotografie unerlässlich, wenn es auch keinesfalls einer teuren Fachkamera bedarf, um Architektur wirkungsvoll ins Bild zu setzen. Zur Grundausstattung gehört ein weitgehend verzeichnungsfrei arbeitendes Weitwinkelobjektiv im KB-äquivalenten Brennweitenbereich zwischen 28 und 35 mm. Je kleiner die Brennweite, desto stärker wird die Neigung zur tonnenförmigen Verzeichnung von geraden Linien an den Bildrändern.

Auf der sicheren Seite ist man mit einem professionellen (und entsprechend teuren) Shift-Objektiv. Es bildet nicht nur weitgehend verzeichnungsfrei ab, sondern lässt sich in der vertikalen Achse verschieben, um höher gelegene Motivbereiche ohne Schwenken der Kamera abzulichten. Nicht völlig senkrecht verlaufende Linien gehören zu den Sünden in der Architekturfotografie. Eine Ausnahme bildet lediglich die bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzte perspektivische Überzeichnung eines Motivs. Jedoch auch dann sollten Linien des Bauwerkes derart gestalterisch platziert werden, dass das Gebäude innerhalb des Bildrahmens Halt findet. Lassen Sie dazu beispielsweise eine Gebäudekante parallel zu einer Bildkante verlaufen. Kleinere Perspektivkorrekturen bei stürzenden Linien sowie Objektiv-Verzeichnungen lassen sich im Übrigen auch mit Bildbearbeitungsprogrammen am PC korrigieren.

Objektive und Brennweite

Weishaupt-Forum,
Richard Meier. Verdichtende Darstellung mit Teleobjektiv (135 mm).
Für weiter entfernt liegende Details oder Ausschnitte ist ein Objektiv mit längerer Brennweite im Telebereich erforderlich. Während Weitwinkelaufnahmen sehr dynamisch wirken und das Hauptmotiv im Vordergrund gegenüber dem Hintergrund betonen, strahlen Teleaufnahmen durch ihre perspektivische Verdichtung mehr Ruhe und Ordnung aus und gleichen die Größenverhältnisse innerhalb des Bildes einander an. Je nach beabsichtigter Bildaussage können Sie die Ausdehnung eines Gebäudes mit einer Weitwinkelperspektive betonen oder durch die Wahl eines Normal- bis Teleobjektives optisch verringern.

Teleaufnahmen weisen eine geringere Tiefenschärfe auf als Weitwinkelaufnahmen und erlauben dadurch die Isolierung eines Motivs aus der Umgebung. Dies kann zusätzlich durch die Wahl einer größeren Blende verstärkt und gestalterisch eingesetzt werden. Drücken Sie bei Spiegelreflexkameras die Abblendtaste, um die Tiefenschärfe schon im Sucher kontrollieren zu können.

Flexibler in der Bildgestaltung und unkomplizierter in der Handhabung sind Zoomobjektive, die in den unterschiedlichsten Brennweitenbereichen angeboten werden. Konstruktionsbedingt sind Zoomobjektive jedoch lichtschwächer (d. h. ihre kleinste Blende ist größer als bei Festbrennweiten) und qualitativ fallen sie hinter Festbrennweiten zurück. Voraussetzung für Wechselobjektive ist der Einsatz einer Spiegelreflexkamera. Nur hier sieht man im Sucher genau das, was nachher auch aufs Bild kommt.

Die Digitalfotografie hat das Fotografieren revolutioniert wie kaum eine andere Erfindung. Nicht nur, dass Digitalbilder ohne lästiges Entwickeln und Herstellen von Abzügen sofort verfügbar sind, die Bilder lassen sich am PC auch noch hervorragend bearbeiten. Nachdem mittlerweile auch digitale Spiegelreflexkameras erschwinglich sind, spricht nur noch wenig dagegen, sich langsam von der Analogwelt zu verabschieden.

Allerdings sollte man sich einiger Folgen dieser Entscheidung bewusst sein. Während das analoge Kleinbildformat einem Seitenverhältnis von 2:3 (24 x 36 mm) entspricht, arbeiten Digitalkameras i. d. R. im Format 4:3 (z. B. 3.072 x 2.304 Pixel entspr. ca. 7 Megapixel) und mit einem um ca. 1/3 kleineren Bildfeld (sprich Bildformat). Daraus resultieren zwei Konsequenzen: Ein Bildformat von 2:3 entspricht in grober Annäherung dem Goldenen Schnitt, ist harmonisch proportioniert und für das Auge angenehm. Im Gegensatz zum 4:3-Format, das wir auch von vielen Computermonitoren oder vom Fernsehen her kennen. Es wirkt einfach nur plump und wenig spannungsvoll.

Die zweite Folge: Bedingt durch den kleineren Chip und die damit verbundene Brennweiten-Verlängerung bei der Verwendung von Kleinbildobjektiven gibt es ein Defizit an brauchbaren Weitwinkelobjektiven, die ja gerade für unsere Zwecke so wichtig sind.

Speziell für digitale Spiegelreflexkameras konstruierte Objektive sind erst wenige auf dem Markt. Daher sollte man sich in der Architekturfotografie genau überlegen, welche effektiven Brennweiten benötigt werden und welcher Hersteller diese im Angebot hat.

Digitalfotografie – Eine Entscheidung nicht ohne Folgen
Digitale Kompaktkameras mit Zoomobjektiv (man spricht im höherwertigen Segment auch von sog. „Bridge-Kameras“) stellen oft eine sinnvolle Alternative zu Spiegelreflexkameras dar. Sie sind preisgünstiger, handlicher und wenn man darauf achtet, dass das Objektiv wenigstens bis 28 mm in den Weitwinkelbereich hineinreicht (analog zum Kleinbildformat) sind diese Kameras für den Amateurbereich eine gute Wahl. Es gibt für viele Modelle auch Weitwinkeladapter, die diesen Brennweitenbereich nochmals weiter erschließen.
 
Digitale Kompaktkameras
1. Eine Auflösung von mindestens 6 Mio. Pixeln ermöglicht die Herstellung qualitativ exzellenter Abzüge im A4-Format oder hochwertiger A3-Vergrößerungen. Auch Ausschnitt-Vergrößerungen sind noch möglich.

2. Die Brennweite des Zoomobjektivs sollte bei 28 mm (KB-äquiv.) beginnen.

3. Je größer der optische Zoom, desto flexibler sind Sie in der Bildgestaltung. Mit einem 7fachen Zoombereich decken Sie alle wichtigen Aufgaben ab.

4. Das Objektiv sollte ein Filtergewinde haben, in das sich auch ein Weitwinkelvorsatz schrauben lässt. Mit Letzterem erreichen Sie beinahe 20 mm Brennweite. Lassen Sie sich unbedingt den WW-Vorsatz bei Ihrem Fotohändler an der Kamera vorführen und studieren Sie Testberichte im Internet. Entscheidend ist eine hohe Vergütung und Verzeichnungsfreiheit.

5. Eine große Hilfe zur Vermeidung stürzender Linien ist eine in den Sucher bzw. das Display einblendbare Gitternetzstruktur. Diese lässt sich bei manchen Modellen einblenden.

6. Zur Übertragung der Daten auf den PC ist ein Kartenlesegerät zu empfehlen. Das geht meist schneller als mit dem Direktanschluss der Kamera per USB-Kabel.

7. Für brauchbare Innenaufnahmen empfiehlt sich ein Systemblitzgerät mit Schwenkreflektor, so dass Sie auch indirekt blitzen können.

Darauf sollten Sie achten
© 2000 - 2016 Architektur und Medien
Alle Rechte vorbehalten. Diese Website, Fotos, Filmausschnitte und Abbildungen auf dieser Website sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne schriftliche Genehmigung nicht verwendet werden.