english version    
Hochhausfassade
Reading Room

München Architektur

READING ROOM
 
 
 
Stadtentwicklung - Stadtgestalt 1975 - 2015

(kfl) „Architektur in München ist seit jeher ein heißes Thema“. Eine treffende Einleitung für ein Buch, das sich der Darstellung einer Architekturentwicklung widmet, die von unterschiedlichen Zeitströmungen geprägt ist.

Münchens Altstadt war am Ende des Zweiten Weltkrieges zu 90 Prozent zerstört. Der von Stadtbaurat Karl Meitinger bereits 1945 forcierte weitgehende Wiederaufbau lieferte die Grundlage, das Bild der Altstadt zu retten. Davon profitieren Attraktivität und Flair der Stadt bis heute. Bis zu den Olympischen Spielen 1972 ist dann wenig Spektakuläres entstanden. Wirklich? Namen aus den 1950er Jahren, wie Sep Ruf, Hans Döllgast oder Herbert Groethuysen schlummern in der Dokumentation leider eher im Verborgenen. Selbst Otto Steidle ist dem Autor nur eine Randbemerkung Wert. Vielleicht ist das damit zu erklären, dass der Fokus auf der Zeit ab 1975 liegt. Das allerdings erfährt der Leser erst auf dem Schmutztitel. Und warum gerade dieses Jahr als Eckpfeiler hergenommen wird, bleibt ebenfalls im Dunkeln.

München Architektur. Gernot Brauer

Gernot Brauer.
München Architektur, Stadtentwicklung – Stadtgestalt 1975 – 2015.
München Verlag 2009, ISBN 978-3-937090-37-5, 38 EUR

Die seit dem entstandenen Münchner Großprojekte sind weitgehend vertreten und werden ausführlich dargestellt. Da es sich jedoch nicht um einen Architekturführer im klassischen Sinn handelt, ist es zwar schade aber entschuldbar, dass einige wichtige Gebäude gänzlich fehlen oder nur am Rande erwähnt werden, so z. B. die Herz-Jesu-Kirche von Allmann Sattler Wappner, das Haus der Architektur von Drescher und Kubina oder der Friedhof Riem von Meck Architekten.

Trotzdem trägt das Buch erheblich zum Verständnis der Münchner Stadtentwicklung bei. Besonders Leser, die sich für geschichtliche Hintergründe und Zusammenhänge interessieren, werden ihren Wissensdurst befriedigen können. Warum Bayerns Ministerpräsident nicht im ursprünglich dafür vorgesehenen Prinz-Carl-Palais residiert, wie die Max-Planck-Gesellschaft ihr eigenes Haus am Altstadtring bekam oder warum in München jährlich 12 000 neue Wohnungen benötigt werden. Sorgfältig recherchierte Fakten machen verständlich, was in Architekturführern aus Platzgründen außen vor bleibt.

Der Inhalt ist in 13 Kapitel gegliedert, die manchmal räumlich („Neue Altstadt“, „Maxvorstadt“), manchmal historisch („850 Jahre München“, „Aus alt mach neu“) und manchmal typologisch („Kultur und Freizeit“, „gebaute Landschaft“) strukturiert sind. Das macht es nicht immer leicht, sich zu Recht zu finden. Das Personen- und Sachregister hilft jedoch bei der Suche. Mit über 500 Farbfotos ist das Buch reich illustriert, allerdings in recht unterschiedlicher Qualität. Neben hochwertigen Architekturaufnahmen finden sich auch zahlreiche ärgerliche Abbildungen mit wenig Aussagekraft. Das sehr „dichte“ und unruhige Layout mit wenig Weißraum ist wohl ein Ergebnis des Kostendrucks, fördert aber nicht gerade das Lesevergnügen. Englische Bildunterschriften und Zusammenfassungen steigern den Nutzen für ausländische Leser.

Insgesamt betrachtet findet der an Münchens Stadtentwicklung interessierte Leser viel Wissenswertes, so dass die Lektüre durchaus empfohlen werden kann. Der Autor ist Leiter des Arbeitskreises Kulturbauten beim Münchner Forum, einer bemerkenswerten Bürgerbewegung, die sich seit über 40 Jahren um die Münchner Stadtgestalt verdient gemacht hat. Außerdem ist er Herausgeber des Online-Magazins „Standpunkte“ des Münchner Forums.

© 2000 - 2016 Architektur und Medien
Alle Rechte vorbehalten. Diese Website, Fotos, Filmausschnitte und Abbildungen auf dieser Website sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne schriftliche Genehmigung nicht verwendet werden.