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My Architect - A Sons's Journey

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A man. His Buildings. His Secret Lives

Ein Film von Nathaniel Kahn

Er gehört zweifelsohne zu den großen Architekten des 20. Jahrhunderts. Seine Gebäude gelten weltweit als Meilensteine der Architekturgeschichte. Dennoch ist über den Menschen selber und das, was ihn antrieb, wenig bekannt: Louis Kahn (1901 – 1974).

Selbst sein unehelicher Sohn, der Autor und Filmemacher Nathaniel Kahn, weiß wenig über seinen Vater, als er sich, 25 Jahre nach seinem Tod, auf dessen Spuren begibt. In Gesprächen mit Zeitgenossen, darunter der legendäre Philip Johnson, I. M. Pei und Frank Gehry sucht Nathaniel hinter die Geheimnisse seines Vaters zu kommen.

Das Ergebnis ist ein sehr persönlicher und bewegender Dokumentarfilm, ein „road movie“, das den Sohn an die Wirkungsstätten seines Vaters führt, u. a. nach Indien und Bangladesh. Einerseits um Nähe zu den Gesprächspartnern bemüht in der Absicht, das noch Unentdeckte offen zu legen, andererseits wieder mit der gebotenen Distanz nähert sich der Sohn Werk und Wesen des Vaters. Zahlreiche Originalaufnahmen, die Nathaniel in den Archiven fand, belegen den Charakter des Künstlers.

Alles beginnt mit einer Rückblende auf den Todestag von Louis Kahn, als er auf der Bahnhofstoilette von Pennsylvania Station in New York im Jahre 1974 einem Herzinfarkt erliegt. Sein Leben war von Diskontinuität geprägt, privat als auch beruflich. Kahn war zwar ein genialer Künstler, als Geschäftsmann jedoch ein Versager. Mit den meisten seiner Projekte verlor er Geld statt welches zu verdienen.

In zehn Kapiteln wird der Zuschauer mitgenommen auf eine Zeitreise durch sein Leben. „Mitgenommen“ darf man hierbei ruhig auch wörtlich verstehen, denn Nathaniel gelingt eine ergreifende Retrospektive ohne kitschig zu werden. Es ist ein Film über den Menschen „Lou“ Kahn, weniger über seine Architektur – das ist der einzige Wermutstropfen. Wenn der Film, bei aller Wertschätzung, eines vermissen lässt, so ist es die angemessene Darstellung von Kahn’s Architektur im Bild. Zu oberflächlich werden seine Bauten oft gezeigt und manchmal entsteht sogar das Gefühl der Effekthascherei, wenn vermeintlich bildwirksam die Wolken im Zeitraffer über das Salk Institute hinweg ziehen. Shamsul Wares, Architekt in Dhaka, bringt es auf den Punkt, wenn er Nathaniel gegenüber seine Bedenken äußert, ob er die Architektur in ihrer Vielschichtigkeit überhaupt visualisieren könne.

Trotzdem gelingt Nathaniel ein Drahtseilakt, nämlich den Vater in seiner Ambivalenz zwischen Privatheit und beruflichem Engagement darzustellen, ohne seinem Werk den Mythos zu nehmen. Es ist von Spiritualität die Rede, von demokratischer Architektur und von einem besonderen Geist, der seinen Bauwerken innewohnt. Wo die Wurzeln dafür liegen, bleibt im Dunkeln und der Interpretation des Zuschauers überlassen.

Glücklicherweise gibt es diesen Film nun auch auf DVD, so dass einem gründlichen Studium des großen Meisters nichts im Wege steht.

Klaus F. Linscheid

DVD ArchitekTouren LEIPZIG
Nathaniel Kahn
My Architect
USA 2003, Farbe, englisch mit deutschen und englischen Untertiteln, 116 min. + Bonusmaterial, 25,- €
Zu beziehen bei:
www.academy-films.com
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